Katrin Pitz, geboren 1989 in Marburg, lebt und arbeitet in Darmstadt. Sie studierte Maschinenbau an der TU Darmstadt und übte seitdem verschiedene Tätigkeiten als Ingenieurin aus. Sie schreibt Lyrik und Prosa und übersetzt aus dem Spanischen und Norwegischen. Sie war mehrmals Preisträgerin des Treffens Junger Autoren der Berliner Festspiele und des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen. 2015 nahm sie als Stipendiatin am Klagenfurter Literaturkurs teil. 2019 war sie Finalistin des 27. Open Mike. Zuletzt wurde sie 2021 mit dem Leonce-und-Lena-Preis und 2024 mit dem Bridges of Struga Award ausgezeichnet. Ihr Debüt „auch solche tage waren immer schon da“ ist 2022 im Elif Verlag erschienen. Aktuell arbeitet sie an ihrem zweiten Gedichtband. Außerdem sind 2025 die von ihr übersetzten Bände „Bård Torgersen: In Frieden ruhen“ und „Fredrik Hagen: lass es sein | eine einsame Zeit“ erschienen.
Laudatio
Laudatio Katrin Pitz
Im September 2023 war Katrin Pitz als Stipendiatin des Hessischen Literaturrats und des Litauischen Schriftstellerverbands zu Gast in Vilnius. Das mag Anlass für diesen Gedichtzyklus Gesandte Schreiben gewesen sein. Es sind dies Anrufungen an namentlich genannte weibliche Personen mit verschiedenen Anliegen, die jeweils in englischer Sprache hervorgehoben sind. Die Namen Giedré, Jurga, Gabija, Marija und Akvilé haben im Litauischen eine starke symbolische Kraft. Sie stehen für die Schönheit der Natur und Wiedergeburt, Entschlossenheit und Traurigkeit, und am Ende für den Adler, der sich in Höhen aufschwingt, um uns, die Menschen, aus dieser Perspektive zu überblicken und vielleicht zu beraten.
Konsequent sind die Gedichte strukturiert: Beginnend mit einer oder mehreren Fragen an die jeweilige Person wird mit einem sichtbaren Pfeil auf das Problem hingewiesen – es geht um die Zerstörung der Natur und die Sorge darum, die Frau als Bewahrerin und die Rolle der Männer. I am scared that the trees won’t grow, liest man da und spürt die Bedrängnis des angesprochenen Du. Doch in jedem Gedicht schreitet die Autorin ein mit einer Offenbarung: „ich ahne deine werke und mühsal“, oder: „ich denke an deine bedrängnis und armut“, oder: „ich kenne deine Geduld“, wie im vierten Gedicht. Sie verbündet sich mit der Protagonistin und unterstützt sie. Das Gedicht an Marija z. B. ist getragen von Traurigkeit und verlorener Hoffnung, nachdem die Bereitschaft eines „frommen“ Miteinanders ein Ende hat. Akvilé, im letzten Gedicht, jedoch erfährt Hilfe bei der Umsetzung ihrer Träume, denn: it all began from a dream. „- ich werde dir helfen“, so die Autorin und gibt damit Unterstützung zur Selbstermächtigung und Umsetzung der Träume. Auf das Motto des Lyrikwettbewerbs „als hafteten daran gänzlich summende traumreste“ wird Bezug genommen. Schließlich glaubt sie: „mein Vater hat angst“.
Dennoch ist nicht alles so plausibel, wie zunächst gedacht. Riten und Symbole schwingen immer mit. Manches bleibt kryptisch und uneindeutig und lesbar auf vielerlei Weisen. Das Theater taucht auf. Als ein Ort der Utopien oder ein Ort, an dem die Sprache die Realität, die keiner sehen will, an die Wand heftet? „Und der vater … aus versehen ein theaterticket erhält“ und gezwungen wird hinzuschauen?
Die Gedichte ziehen mich in ihren Bann, ich möchte mich mit ihnen auseinandersetzen und merke, dass ich bei jedem Lesen Neues entdecke. Sie verführen dazu, sich mit den verschiedenen Ebenen des Geschriebenen zu beschäftigen oder diese einfach auf sich wirken zu lassen – mit großem Gewinn!
Die Jury stimmte einhellig überein, dass es sich bei dieser Einreichung von Katrin Pitz um ausgezeichnete und preiswürdige Texte handelt. Wir gratulieren herzlich zum zweiten Preis des Feldkircher Lyrikpreises.
Marie-Rose Rodewald-Cerha für die Jury des Feldkircher Lyrikpreises 2025
Feldkirch, 03.08.2025
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